Auszug aus dem Text

Die Heiligenscheine

 Eine kleine Weihnachtsgeschichte

In jener heiligen Nacht kam das Christkind zu der Ausländerfamilie, die am nächsten Tag abgeschoben werden sollte, nachdem sie zehn Jahre auf die Entscheidung über den Asylantrag gewartet hatte - und obwohl ihr doch in der alten Heimat Hunger und vielleicht sogar der Tod drohte. Und es brachte ihr ein besonderes Geschenk...!

 

Die Beamten, die am Morgen in das winzige Zimmer traten, um die Familie abzuholen und zum Flugplatz zu bringen, blieben wie angewurzelt stehen – mit weit aufgerissenen Augen und offenen Mündern.

Denn ihnen bot sich ein unglaubliches Bild.

Da saßen der Mann und die Frau auf dem Fußboden und ihr Baby lag zwischen ihnen auf einem mit Stroh gefüllten Koffer. Alle drei hatten schwarze Hautfarbe – und

... einen Heiligenschein.

Und just in diesem Augenblick schauten noch dazu ein Esel und ein Ochse beim Fenster herein - obwohl das Haus mitten in der Großstadt stand und sich das Zimmer im dritten Stock befand.

Die Beamten waren nicht sehr gläubig.

Aber das gab ihnen doch zu denken.

Sie holten also ihren Vorgesetzten.

Der vermutete zuerst einen gemeinen Trick. „Was die Leute doch alles versuchen um der Ausweisung zu entkommen“, schimpfte er kopfschüttelnd. „Aber nicht mit mir. Ich bin ein alter Fuchs. Ich falle auf so etwas nicht herein.“

Und er stürmte in das Zimmer und wollte den Heiligenschein vom Kopf des Kindes reißen. Aber es gelang ihm nicht. Seine Hände glitten einfach hindurch. Wütend tastete der Beamte das Kind ab – wühlte auch im Stroh des Koffers, suchte nach der Lampe mit der der Heiligenschein projiziert wurde.

Vergeblich!

Vorsichtshalber kniff sich der Mann selbst kräftig in den Arm – um sicher zu gehen, dass er nicht etwa hypnotisiert worden war. Er war ein sehr gewissenhafter Beamter. Doch letztendlich musste er kapitulieren.

Er fand keine Erklärung für die Heiligenscheine.

Ratlos starrte er zum Fenster hinaus.

Direkt in das Gesicht des Esels.

„Iaah!“

Da fand er, dass es an der Zeit sei, den Minister zu informieren. Er ging in sein Büro, um ihn anzurufen. Doch er kam nicht mehr dazu, denn ein Untergebener stürmte herein, hielt sich gar nicht mit Erklärungsversuchen auf, sondern zerrte ihn zum Fenster. Der Mann deutete zum Himmel hinauf.

Da stand ein großer strahlender Stern.

Direkt über der Polizeistation.


Die ganze Geschichte gibt es vielleicht schon in meinem nächsten Buch.

Wenn Du sie vorher zu Ende lesen möchtest, schreib mir doch einfach: knapp.hermann@aon.at